Seit über 20 Jahren gehe ich regelmässig auf Wanderritte. Anfangs war ich mit meiner Connemarastute Flocke unterwegs, die, wie damals üblich, immer beschlagen war. Von Hufschuhen hielt ich nicht viel, da ich von allen Seiten zu hören bekam, dass sie eh nicht hielten und man nach jedem Galopp die Schuhe wieder zusammen suchen müsste.
Als ich 1997 ihre Nachfolgerin Souhaila kaufte, reute mich der Gedanke ihre super guten Hufe mit Eisen zu versehen, so dass ich sie zunächst barhuf laufen lassen wollte. Leider blieb sie immer recht fühlig, weshalb ich beschloss, ihr vor dem Anreiten Hufschuhe anpassen zu lassen. Da mich die einfache Konstruktion überzeugte, wählte ich von Anfang an Swiss Horse Boots – und bin bis heute dabei geblieben.
Mehr als 9000 km hat Souhaila seitdem mit Swiss Horse Boots auf Wanderritten zurückgelegt. 3 Mal kraxelte sie über die Alpen, einmal über die Pyrenäen und auch sonst lasse ich kaum einen Berg aus, der sich uns entgegenstellt. Gerade im alpinen Gelände hat sich die Rutschfestigkeit der Schuhe als Riesenvorteil erwiesen. Selbst ein mit Stollen oder Stiften versehenes Eisen gibt auf Fels weniger Halt, als der einfache Schuh. Lediglich bei Schnee oder auf nassen lehmigen oder grasigen Hängen werden die Schuhe unter Umständen gefährlich rutschig. Während ich in solchen Fällen zu Hause auf ein Set bestollter Schuhe zurückgreife (und dadurch auch keine Probleme mit aufstollendem Schnee mehr kenne), lasse ich mein Pferd auf Wanderritten in solchen Situationen einfach barhuf laufen.
Dank der professionellen Anpassung hatte ich praktisch nie Probleme mit Druckstellen oder Verlusten. Selbst in tiefem Morast mache ich mir nicht mal die Mühe, einen Kontrollblick auf die Hufe zu werfen – es ist nicht nötig.
Einzige Ausnahme: meine Stute verliert schon mal einen Schuh in extrem felsigem Gelände, wenn eine Schnalle fehlt. Da diese jedoch leicht zu ersetzten sind, ist auch das nicht wirklich problematisch.
Auf unserem letzten Wanderritt hatten wir ausserdem mit Ballendruck zu kämpfen. Wie es dazu kam, ist nicht ganz klar. Eventuell war der extreme Morast und lang andauernde Regen schuld, dem wir tagelang ausgesetzt waren, so dass die Hufe keine Gelegenheit hatten, abzutrocknen und entsprechend aufgeweicht waren. Dies, sowie das regelmässige Ab- und wieder Anziehen der Schuhe an verschlammte Hufe, um glitschige Passagen zu überwinden, mag dazu geführt haben, dass Sand und Lehm die Ballen aufgescheuert haben. Jedenfalls hoffte ich zunächst, barhuf reiten zu können, bis der Ballen wieder unempfindlich wäre. Leider kamen wir schon nach 2 Tagen auf grobe Juramergelwege, wo ein barhuflaufen für mein Pferd unzumutbar war. Also beschloss ich, den gesamten hintern Teil des Schuhs, der mit den Ballen in Berührung kam, herauszuschneiden und mal auszuprobieren, wie diese „Finken“ wohl halten. Den Riemen schloss ich dafür sehr eng. Erstaunlicherweise hielt auch diese Konstruktion in tiefstem Morast! Und auch die befürchteten Scheuerstellen von den Riemen blieben aus, so dass ich nach dem Wanderritt noch einige Monate mit diesen als Provisorium gedachten Schuhen unterwegs war und auch noch einen Distanzritt mit ihnen absolvierte!
Gerade auf mehrmonatigen Wanderritten haben sich die Schuhe noch in einer anderen Weise sehr bewährt: man muss unterwegs nicht neu beschlagen. Die Haltbarkeit der Schuhe ist ungleich höher, als die von Eisen. Nach rund 3000 km bekommen Souhailas Schuhe erste Löcher an der Zehenrichtung vorne, danach können sie aber nochmals gut 2000 km benutzt werden. Flocke wurde auf Langstreckenritten immer mit 10er Eisen, 4 Widiastiften und Schweissnaht auf der Zehe zur zusätzlichen Verstärkung beschlagen. Trotzdem hielten die Eisen nur 1300 km – bei völlig regelmässiger Abnutzung! Und unterwegs in fremder Umgebung einen guten Schmied zu finden, der auch noch in absehbarer Zeit kommt, um ein wildfremdes Pferd zu beschlagen, das er danach wohl nie wieder sehen wird – das ist eine Aufgabe für sich!
Auch für Distanzen haben sich die Schuhe sehr bewährt. Bei hartem Boden wird der Aufprall des Hufes durch den Kunststoff gegenüber einem Eisenbeschlag deutlich gedämpft. Bei dem überwiegend harten Geläuf, dass wir auf Ritten in der Schweiz meist vorfinden, lege ich zusätzlich noch stossdämpfende Einlagen in die Schuhe – und kann so auch mit gutem Gewissen über harten Boden traben, ohne die Gelenke meines Pferdes übermässig zu strapazieren.
Alles in allem bin ich mit dem Einsatz der Swiss Horse Boots rundum zufrieden und die Mär der fliegenden Schuhe hat sich, sehr zum Leidwesen des Herstellers, bis heute nicht bewiesen.
Sandra Loss, Volketswil